Wie verändert künstliche Intelligenz den Einstieg in die IT-Beratung?

28/10/2026

Wie verändert künstliche Intelligenz den Einstieg in die IT-Beratung?

Die Sorge um den Einstieg in die IT-Beratung für Berufseinsteiger ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Im Jahr 2021 schätzten noch 78 % der Berufseinsteiger ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut oder sehr gut ein. Im Jahr 2026 sehen das nur noch 37 % der Befragten so. Ein Grund dafür ist die vermeintlich unaufhaltsame Einführung künstlicher Intelligenz in den Unternehmen. Das geht zumindest aus einer Umfrage der WirtschaftsWoche hervor: Mehr als 1.000 Personalverantwortliche planen, bis zum Jahr 2030 rund 35 % weniger Berufseinsteiger einzustellen. Die Nachrichten der letzten Monate zeichnen leider kein beruhigendes Bild.

Aus diesen Herausforderungen ergeben sich für Berufseinsteiger jedoch auch neue Chancen. Auf diese soll im Folgenden näher eingegangen werden. Die „klassischen“ Aufgaben für Berufseinsteiger fallen zunehmend weg. Dazu gehören unter anderem die Aufbereitung und Qualitätssicherung unterschiedlicher Daten, Recherchetätigkeiten sowie weitere Routineaufgaben. Drei Punkte sind dabei besonders hervorzuheben, da sie meines Erachtens die größten Chancen für Berufseinsteiger bieten:

1. Frühe Verantwortung und strategische Aufgaben

Gehen wir von folgendem Szenario aus: Ein Kunde möchte wissen, ob sich ein Wechsel seiner bestehenden Infrastruktur in die Cloud lohnt. Früher wurden Wochen damit verbracht, die Systemlandschaft zu dokumentieren, Kosten zu erheben und Vergleichsstudien auszuwerten. Heute kann die KI einen Großteil dieser Arbeiten übernehmen. Die Herausforderung besteht nun darin, die Ergebnisse der KI zu bewerten, einzuordnen und zu interpretieren. Berufseinsteiger müssen lernen, stärker urteilsbasiert zu arbeiten. Dadurch können sie früh Verantwortung für ihre eigenen Ergebnisse übernehmen.

2. KI-Kompetenz als Karrierebeschleuniger

Daraus ergibt sich direkt der zweite Punkt: die richtige Anwendung von KI-Tools für bestimmte Aufgaben. Wenn man nur einen Hammer besitzt, ist jedes Problem ein Nagel. Dieses Sprichwort lässt sich auch auf KI-Tools übertragen. Nicht jedes Problem lässt sich mit einem LLM lösen. Geht es um die Bearbeitung und Analyse großer Datenmengen, ist der probabilistische Ansatz eines LLMs nicht immer die richtige Wahl.

Der Einsatz der richtigen Tools spart Zeit und Ressourcen – von der Qualität der Ergebnisse ganz zu schweigen. In der Praxis zeigt sich, dass viele Nutzer die Vorteile der richtigen Anwendung von KI-Tools noch nicht erkannt haben. Daher lohnt es sich, sich mit KI-Tools im eigenen Fachbereich auseinanderzusetzen und zu lernen, diese richtig einzusetzen. Eine oberflächliche Bewertung reicht nicht aus.

3. Menschliche Fähigkeiten als Bindeglied

Dass der Einsatz von KI die Produktivität eines Unternehmens steigern kann, ist kein Geheimnis. Sie kann jedoch keine Vertrauensbasis zum Kunden aufbauen, schwierige Gespräche führen oder einen Prozess begleiten. Daraus ergibt sich der dritte wichtige Aspekt: menschliche Fähigkeiten.

Gerade bei Berufseinsteigern ist die Hemmschwelle für vermeintlich „einfache“ Fragen oft geringer. Missverständnisse können so frühzeitig ausgeräumt und unnötiger Fachjargon vermieden werden. Durch Rückfragen wird dem Gesprächspartner signalisiert, dass seine Probleme ernst genommen werden, anstatt sie mit vermeintlich standardisierten Lösungen zu beheben.

Gerade wenn Berufseinsteiger noch nicht über die tiefste technische Expertise verfügen, können sie mit ihren menschlichen Stärken punkten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer bereit ist, früh Verantwortung zu übernehmen, KI gezielt als Werkzeug einzusetzen und gleichzeitig seine menschlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, kann die Veränderungen durch KI als Chance nutzen und sich eine gute Grundlage für den Einstieg in die IT-Beratung schaffen.